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Der Blog zum I Ging

Vom Aufstieg der „Gemeinen“…

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Trump wird US-Präsident, Glyphosat und Genmanipulation hält Einzug in unsere Landwirtschaft und Erfolg scheinen am meisten die zu haben, die durch drittklassige, aber bloßstellende Performance glänzen. Tag für Tag erreicht uns per Newsticker eine neue Hiobsbotschaft, so scheint es. In diesen Zeiten fragen sich viele Menschen, wo ein solcher Zeitgeist hinführen soll und wo Werte wie „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ oder „Wärme“ schlechthin eigentlich abgeblieben sind. Für all das hält das I Ging eine Begrifflichkeit bereit: „In dieser Zeit sind die Gemeinen im Aufstieg.“

Der „Gemeine Mensch“ 

Hierunter verstehen wir laut dem I Ging einen Menschen, der in der Hauptsache an seinen eigenen Vorteil denkt und keine oder nur sehr wenige Gedanken an das Wohl oder die Bedürfnisse seiner Mitmenschen verschenkt. Die Gemeinschaft interessiert ihn herzlich wenig, er glaubt daran, dass das Leben ein Kampf ist, in dem der Stärkere sich durchsetzt. In unserer Kultur benutzen wir für solche Menschen auch Begriffe wie Egoisten oder Narzissten.

Und der Edle Mensch?

Als Gegenstück zum Gemeinen berichtet das I Ging immer wieder auch vom Edlen. Dieser Mensch lebt im Einklang mit sich selbst und der Gemeinschaft, indem er für sich selbst sorgt und an sich arbeitet, dabei aber das Wohl aller nicht aus den Augen verliert und zum Wohle der Allgemeinheit handelt. Er reflektiert seine Handlungen und ordnet seine Taten nicht leeren Werten wie materiellem Wohlstand oder Machtgedanken unter.

Was also tun?

In den Zeiten wie oben beschrieben scheinen die Gemeinen das Ruder übernommen zu haben und die Edlen in der schwachen Minderzahl. Dennoch rät das I Ging dazu, in diesen Zeiten nicht für seine Ziele zu kämpfen, da ein Kampf in diesen Zeiten nicht lohnt, sondern stattdessen still zu halten. Der Vergleich mit den Jahreszeiten scheint hier zutreffend zu sein: In Zeiten von bitterem Frost in tiefstem Winter baut niemand Früchte an. Stattdessen wartet man ab bis die Temperaturen milder werden und beginnt dann, zu säen. Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Wenn man nicht stille hält, so gibt man dem Bösen Nahrung, man verschlimmert sogar noch die ganze Situation.

Einfach untätig sein?

Das I Ging rät zwar zum Stillehalten, doch diese Begrifflichkeit dürfen wir nicht mit unseren heutigen Vorstellungen gleichsetzen. Treu dem Sprichwort „Im Nichtstun bleibt nichts ungetan“ (Laotse) lautet der Ratschlag hier genauer gesagt: Man solle sich zurückziehen und an sich selber arbeiten, um abzuwarten, bis die richtige Zeit kommt, in denen der Edle zum Zuge kommt und dessen Chancen unter einem besseren Licht stehen.

Die Hexagramme

Die Verfinsterung des Lichts, Hexagramm 36, ist eins der Hexagramme, die symbolisch für eine Situation wie der oben beschriebenen stehen. In seinem Text spricht Richard Wilhelm davon, dass „der Edle so mit der großen Menge lebt: er verhüllt seinen Schein und bleibt doch hell.“ und „man soll in diesen Zeiten die Gewohnheiten der Menschen zwar nicht mitmachen, aber sie auch nicht kritisch ans Licht ziehen wollen.“  Deutlich wird hier auch, dass das I Ging kein Mitläufertum duldet: „Man darf sich auch von ungünstigen Verhältnissen nicht wehrlos mitreissen, nicht in seiner inneren Willenshaltung beugen lassen. … Nur so kann man unter Schwierigkeiten seinen Willen wahren.

Ähnlich betrachtet es auch Hexagramm 23, Die Zersplitterung, das im Blog bereits ausführlicher hier beschrieben worden ist. Genauer beschrieben wird hier auch der herrschende Zeitgeist: „Es handelt sich hier nicht um menschliches Machen, sondern um Zeitverhältnisse, die nach himmlischen Gesetzen auch einen Wechsel von Zunahme und Abnahme, Fülle und Leere zeigen. Diesen Zeitverhältnissen lässt sich nicht entgegenwirken. Daher ist es nicht Feigheit, sondern Weisheit, wenn man sich fügt und vermeidet zu handeln.“

Bis der Frühling kommt

Generell kann man sagen, dass in diesen Zeiten es solange abzuwarten gilt, bis die Yang-Kraft wieder an Stärke gewinnt. Bei der Zersplitterung beispielweise hat das Yin bis auf einen Yangstrich alle Yang-Energie verdrängt. Ein Neubeginn braucht einen Yang-Impuls, dieser findet sich in Hexagramm 24, die Wiederkehr (mehr zum Hexagramm findet Ihr auch hier), wo, wie ein Sandkorn im Boden, eine neue Kraft zu wachsen beginnt.

Was denkt Ihr über die Strategie des I Ging? Fahrwasser auf die Mühlen der „Gemeinen“ oder gute Alternative zum „blinden Aktionismus“? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

(alle Zitate: Richard Wilhelm, I Ging-Buch der Wandlungen)

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Die Annäherung, Hexagramm19

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  1. Sabien

    Ich hätte mal eine Frage: warum haben wir in 2017 nicht das Hexagramm 2 KUN- das Empfangende nach der Reihenfolge? Ich habe mich am Beispiel des Human-Design Kreises orientiert, indem auch die Hexagramme aufgeführt sind. Letztes Jahr 2016 ging es um 23- die Zersplitterung. Danach käme KUN – 2 das Empfangende. Warum nicht?

    Besten Dank für Ihre Antwort.
    Viele Grüße
    Sabien

  2. Gabriele Frielinghaus

    Ich finde an dieser Stelle passt der Ausspruch von Oscar Wilde:
    “Gar nichts zu tun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist vorraussetzt”

    • Team I Ging

      Hallo Gabriele, der Spruch von Oscar Wilde passt wundervoll dazu. Ich habe früher öfters mit einer großen Portion Selbstironie gesagt: “Ich kann sehr gut warten, wenn es nicht länger als 5 Minuten dauert.” 🙂
      Danke für deinen Kommentar und eine gute Zeit! Hubert

  3. Luise

    Das I Ging sagt uns auch, dass die Gemeinen nicht ewig die Führung übernehmen. Ihr Fall ist ein kosmisches Gesetz; früher oder später. Manchmal hat man das Gefühl, es nimmt kein Ende. Doch wir können bei uns selbst anfangen; vor unserer eigenen Haustüre kehren. Wenn wir aufrichtig uns selbst gegenüber sind, hat bestimmt jeder genug zu tun und wenn es jeder tut, haben wir unseren Beitrag geleistet und eine andere Welt und ein anderes Bewusstsein geschaffen. Dabei ist das I Ging eine große Hilfe…….

    • Team I Ging

      Liebe Luise,

      Danke für die gute Anregung. Und damit ist auch gut beschrieben wie “nicht im Aussen handeln” aussehen kann.

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