IGing_Führung

Wenn ich mir mein berufliches Umfeld anschaue, dann ist das Thema „Führung“ ein ziemlich großes Thema. Lapidar kann man verschiedene Absichten erkennen, warum Menschen führen oder sich davor drücken zu führen:

Führung als Machtinstrument:

Hier geht es nur darum, rücksichtslos die eigenen Ziele durchzusetzen, ohne auf die Bedürfnisse der Mitmenschen zu achten. Solche Führungskräfte sind von Narzissmus durchzogen.

Führung als Verantwortung abgeben:

Ein Führungsstil welcher oft in größeren Unternehmen auftaucht: Es wird viel abgegeben um bei einer Fehlentscheidung die Schuld auf den Mitarbeiter zu wälzen, damit die Führungskraft frei von Makel bleibt. Aktuelles Beispiel: Der Abgasskandal von VW.

Führungspositionen nicht übernehmen wollen:

Hier gibt es aus meiner Erfahrung drei Motive, warum dies passiert:

Ein Motiv ist: „Dann bin ich ja verantwortlich.“ Ja, Führung ist die Verantwortung auch für unpopuläre Entscheidungen zu übernehmen.

Ein weiteres Motiv ist, dass Menschen sich die Position nicht zutrauen. Dies spricht für diese Menschen, weil sie reflektieren. Versteckt dahinter entdecke ich auch oft, dass man den autoritären Führungsstil nicht möchte, ihn aber für den Gewünschten hält.

Das für mich spannendste Motiv zum Schluss: Menschen die erkannt haben, dass Führung ihnen nicht liegt. Oft sind es hochkarätige Spezialisten, welche dummerweise aufgrund ihrer Leistungen zu einer Führungsposition gezwungen werden. Hier wird vergessen, dass gute Fachkenntnisse nichts mit Führungsqualitäten zu tun haben.

Und nun zum IGing

Jetzt schauen wir uns mal an, wie das IGing Führung definiert. Das IGing sagt: Wer Führungsqualitäten hat, der ist verpflichtet, sie zu übernehmen. Wer erkennt, dass er keine Führungsqualitäten hat und z. B eine guter Arbeiter ist den hält das Iging für einen weisen Menschen, weil er seine Fähigkeiten und Grenzen erkennt.

Das Gemeinwohl ist die Grundlage jedes Führungsstils im IGing

Oberste Prämisse für eine gelungene Führung im IGing ist der Anspruch des „Gemeinwohls“. Wer führt, darf niemals aus Eigeninteresse handeln, sondern muss sich selbst stets als „Diener der Gemeinschaft“ sehen, er muss also seinen eigenen Vorteil dem der Allgemeinheit unterordnen. Ist diese Grundvoraussetzung erfüllt, so gibt es nach dem IGing zwei verschiedene Arten der Führung:

Mit dem Herzen führen

Bei diesem Stil ist eine gemeinsame Basis und Verständnis unabdingbar. Beide Seiten müssen einander „verstehen“ und sich gegenseitig in ihren jeweiligen Positionen akzeptieren und Respekt entgegenbringen. Ein grundsätzliches „Wir-Gefühl“ und eine bejahende Einstellung führen bei diesem Führungsstil dazu, dass ohne Härte vorgegangen werden kann. Der Führende kann den zu Führenden fordern und gleichsam fördern und es geschieht zum Wohle aller.

Mit Strenge führen

Die Strenge ist im IGing lapidar gesagt „der Plan B“. Die Führung mit dem Herzen ist der mit Strenge vorzuziehen, aber wenn diese nicht zum Einsatz kommen kann, ist hartes Durchgreifen die beste Entscheidung. Der Führende muss auf diesen Führungsstil zurückgreifen, wenn der andere keine Einsicht zeigt und sich nicht auf andere Weise lenken lässt. Führung mit Strenge muss auf sachlicher Ebene geschehen und darf nicht mit persönlicher Verletzung einhergehen. Auch hier gilt der Respekt als oberste Prämisse und die Ziele der Gemeinschaft als oberstes Gebot.

Führung erfordert immer klare Hierarchien

Was sich so logisch anhört, wird aber in dieser Form nicht in allen Kulturen auch so gelebt. Auch in unserer eigenen Gesellschaft gab es eine Zeit lang den Trend des „laissez-faire“ Führungsstil, bei dem alle Mitglieder einer Gruppe die gleichen Rechte hatten und Entscheidungen nur über die Gemeinschaft und in keinem denkbaren Fall als Einzelentscheidung getroffen werden konnten. (Im Vergleich dazu bemüht sich der demokratische Führungsstil zwar um eine gemeinschaftliche Lösung, akzeptiert aber für den Fall, dass eine solche nicht zu erreichen ist, die Entscheidung des Gruppenleiters bzw. des Anführers. Bei Wikipedia gibt es eine Übersicht über die bekanntesten Führungsstile und -konzepte.)

Die Hexagramme

Die Bescheidenheit, Hexagramm 15

Bei der Bescheidenheit wird der Berg mit seinem großen Wissen von der Erde mit ihrer Zurückhaltung und Fügsamkeit zugedeckt. Dieses Bild von Bescheidenheit beschreibt einen charakterstarken Menschen, der es nicht nötig hat, anderen zwanghaft zu gefallen und sich stattdessen auf seine inneren Werte konzentrieren kann.

Auf Linie 5 wird deutlich auf die strenge Form der Führung eingegangen: Der bescheidene, charakterstarke Mensch muss manchmal kraftvoll durchgreifen (R. Wilhelm: “Fördernd ist es, mit Gewalt anzugreifen.“) Wichtig auch hier: mit Sachlichkeit und ohne seine persönliche Macht in den Vordergrund zu stellen (R. Wilhelm: “Nicht pochen auf Reichtum seinem Nächsten gegenüber.“)

Das Heer, Hexagramm 7

Dieses Zeichen hat sehr viel mit Strategie zu tun. Dies zeigt sich vor allem an dem einzigen Yang-Strich auf der Ebene des Denkens. Herausgestellt wird hier auch noch einmal das „Wir-Gefühl“. Bezeichnend aber für die Definition eines Anführers ist vor allem die Linie 2, für die es bei Wilhelm heisst: „Inmitten des Heeres! Heil! Kein Makel!“ Der Anführer muss inmitten seines Heeres sein und muss Gutes und Böses mit den Massen teilen. Dies unterstreicht noch einmal die Führung zum Wohle aller und dass eine Führungsperson niemals aus persönlichen Beweggründen handeln darf.

Beide Seiten vereinen

Wir wechseln alle täglich die Rolle zwischen Führendem und Geführtem. In der Familie müssen wir unseren Kindern gegenüber eine Führungsposition einnehmen, in der Firma sind wir hierarchisch vielleicht eher in einer mittleren Position, in der wir eine Abteilung leiten, selbst aber der Geschäftsführung unterstellt sind. Was macht dieser Rollenwechsel mit uns? Führt er zu mehr Verständnis gegenüber dem anderen oder erliegen wir manchmal dem Gefühl, schlechte Führungsstile weitergeben zu müssen?

Eine gute Zeit!

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