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In unserer neuen Serie möchten wir Euch aufzeigen, wie man mit dem I Ging im Alltag lebt. Hier wird es verschiedene Geschichten geben, welche ich oder andere Menschen erlebt haben. Und wie wir damit umgegangen sind. Diese Geschichten sollen aufzeigen, wie man mit dem I Ging leichter seinen Alltag bewältigen kann. Sie sollen aber auch zeigen, welche Konsequenzen es hat, wenn wir uns nicht an die Gesetze des Lebens halten. Hört sich härter an als gemeint. Ich halte es für wichtig, sich nicht immer ans I Ging oder an die gesetzliche Ordnung zu halten, weil wir dadurch auch lernen. Wichtig dabei: Wir müssen die Verantwortung und damit die Konsequenzen auf uns selbst nehmen. Hierbei hilft es ganz viel, über seine eigenen Dummheiten lachen zu können. Ich sage öfters zu mir: “Hubert das kannst du mit mir nicht machen.”

Warum ich 50 € für mein gestohlenes Fahrrad zahlte

Als erstes möchte ich Euch eine Episode vorstellen, in der mir mein Fahrrad geklaut wurde. Natürlich war ich sauer darüber, dass mein Fahrrad gestohlen war. Nach einem Tag habe ich überlegt, welche Bedeutung dieser Diebstahl für mich hat. Also entschloss ich mich, das I Ging zu befragen:

Ich bekam das Hexagramm  25 WU WANG / Die Unschuld mit der dritten Linie berührt:

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Hier habe ich für Euch einen Auszug des Hexagrammes aus dem I Ging von Richard Wilhelm dazu:

DAS URTEIL

Die Unschuld. Erhabenes Gelingen.

Fördernd ist Beharrlichkeit.

Wenn jemand nicht recht ist, so hat er Unglück,

und nicht fördernd ist es, irgend etwas zu unternehmen.

Der Mensch hat vom Himmel die ursprünglich gute Natur erhalten, dass sie ihn bei allen Bewegungen leite. Durch Hingabe an dieses Göttliche in ihm erlangt der Mensch eine lautere Unschuld, die ohne Hintergedanken an Lohn und Vorteil einfach das Rechte tut mit instinktiver Sicherheit. Diese instinktive Sicherheit bewirkt erhabenes Gelingen und ist fördernd durch Beharrlichkeit. Es ist aber nicht alles Instinktive Natur in diesem höheren Sinn des Wortes, sondern nur das Rechte, das mit dem Willen des Himmels übereinstimmt. Ohne dieses Rechte wirkt eine unüberlegte instinktive Handlungsweise nur Unglück. Meister Kung sagt darüber: »Wer von der Unschuld abweicht, wo kommt der hin? Des Himmels Wille und Segen ist nicht mit seinen Taten. «

Sechs auf drittem Platz bedeutet:

Unverschuldetes Unglück:

Die Kuh, die von jemand angebunden war, 

ist des Wanderers Gewinn, des Bürgers Verlust.

Manchmal kommt unverschuldetes Unglück über einen, das von einem andern veranlasst wird, wie etwa, wenn ein Mann des Weges kommt und eine angebundene Kuh mitlaufen lässt. Sein Gewinn ist des Besitzers Verlust. Bei allen, auch bei unschuldigen Handlungen, muss man sich nach der rechten Zeit richten, sonst kommt unerwartetes Unglück über einen.

 

Meine Deutung

Ich verstehe – Die “angebundene Kuh” bedeutet: mein Fahrrad war ordentlich abgeschlossen. Ich war nicht leichtsinning und habe kein Unglück herausgefordert.

Im Urteil steht noch: “Man sollte nichts unternehmen.” OK, ich werde zunächst kein neues Fahrrad kaufen, sondern erst mal abwarten.

 

Die Auflösung

In den nächsten Tagen kamen mir Zweifel ob das die richtige Strategie ist. An diesem Abend jedoch, sollte ich eines Besseren belehrt werden. Ich saß in einem Restaurant auf der Terrasse und aß zu Abend. Nach dem Essen wanderte mein Blick zu den Fahrrädern, welche direkt von mir standen und ich musste an mein eigenes Rad denken. Dann stockte mir der Atem – spielte mir da meine Phantasie einen Streich? Ich sah mein Fahrrad und konnte es nicht glauben.

Vorsichtig stand ich auf, schaute mir dieses Rad gründlich an. Ja, es war meins! Nun gut, die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass der jetzige Besitzer sich im Lokal aufhielt. Ich musste also nur abwarten, bis derjenige zu seinem/meinem Fahrrad ging. Ich hatte die absolute Ruhe. Es war wundervoll wieder zu erleben, wie das I Ging zutraf. Dann kam aus dem Lokal ein Mann, den ich kannte, weil ich ihn mal vor der Polizei habe wegrennen sehen. Mir stockte der Atem, war das etwa mein Dieb? Ja, er ging zu meinem Rad. Ich stand auf und sagte zu ihm: “Sie haben ein schönes Fahrrad!” “Ja”, entgegnete er, “dieses Fahrrad habe ich für 50 € gekauft.” “Komisch”, antwortete ich, “dieses Fahrrad wurde mir vor ein paar Tagen vor meinem Büro geklaut.” Ob er mir denn sagen könne, von wem er dieses Fahrrad hat? “Nein”, sagte er, “ich kann mich nicht daran erinnern!” Ich überlegte blitzschnell. Dann machte ich ihm den Vorschlag ihm das Fahrrad für die 50 € Euro abzukaufen. Er schaute mich zuerst ganz verdutzt an, und wollte dann aber noch verhandeln. Darauf formulierte ich, wir würden zur Polizei gehen und die Geschichte dort klären, würde er auf mein Angebot nicht eingehen. Darauf willigte er sofort ein.

 

Warum bin ich nicht zur Polizei gegangen?

  1. Wenn ich mit ihm zur Polizei gegangen wäre, hätte es einen riesigen bürokratischen Aufwand gegeben.
  2. Gleichzeitig war dieser Mann als sehr aggressiv bekannt. Ich musste also damit rechnen, dass er mit mir aggressiv umgeht.
  3. Wenn wir unterstellen, wir wären zusammen zur Polizei gegangen, und er hätte den Diebstahl zugegeben, dann wäre er ziemlich sauer auf meine Person gewesen und hätte sich zum Beispiel durch Wandschmierereien an meinem Praxisschild rechen können. Was viel teurer gekommen wäre, als die 50 €.
  4. Das Wichtigste kommt zum Schluss: Ich bin durch den Dieb belehrt worden, dass das I Ging mit seiner Aussage Recht hatte. Diese Belehrung war mir die 50 € wert.

Da habe ich ein ziemlich gutes Geschäft gemacht. Diese Ansicht teilen nicht alle mit mir. Wie siehst Du das? Was hättest Du gemacht? Ich bin gespannt auf Deine Antwort und verbleibe mit sonnigen Grüßen

Hubert

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