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Nachdem wir in der letzten Woche die Rolle des Mannes in der Familie genauer beleuchtet haben, wollen wir natürlich auch die Frauen nicht aussen vor lassen 🙂

Auch hier gilt wie beim letzten Mal, dass man das Konstrukt der „Familie“ nicht ausschließlich wörtlich nehmen sollte, sondern vieles davon übertragbar ist auf andere Systeme wie Unternehmen oder sogar eine staatliche Ordnung.

Die Rolle der Frau wird im Besonderen in den Linien 2 und 4 beschrieben. Hier heisst es zunächst unter anderem: „Sie soll im Inneren für Speise sorgen.“ Der Zuständigkeitsbereich von Mann und Frau ist sehr klar geregelt. Die Frau ist in erster Linie verantwortlich für das Innere, während die Aufgaben des Mannes im Äußeren liegen. In der Übersetzung von Wilhelm formuliert er: „Ihre Stellung ist inmitten des Hauses…Dadurch wird sie zum Mittelpunkt für das gesellschaftliche und religiöse Leben der Familie.“ Die Frau oder die Mutter ist das Zentrum der Familienkonstellation. Sie steht in der Mitte und wird somit auch zum Ver-mitt-ler hinsichtlich aller Belange, die an sie herangetragen werden. Was zunächst wie die Degradierung der Frau zum Hausmütterchen anmutet, erschließt sich aber weiter in Linie 4: „Sie ist der Reichtum des Hauses“. Richard Wilhelm spricht in seiner Übersetzung davon, dies ruhig buchhalterisch zu werten; Sie überwacht das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben und hier ist im übrigen nicht allein die Haushaltskasse gemeint…

Ganz allgemein stellt das Hexagramm „Die Sippe“ die Gesetze dar, die innerhalb einer Gemeinschaft gelten sollten und den Platz, den jeder einzelne in der Ordnung eines Systems einnehmen muss, damit ein System funktioniert. Bezogen auf die Familie ist die Grundlage der familiären Ordnung die Beziehung zwischen Mann und Frau/Vater und Mutter. Sie sind die Autorität im Haus. Jeder der beiden muss seinen Platz einnehmen, damit auch die Kinder ihrerseits ihre Rolle ausfüllen können. Gibt es Differenzen innerhalb dieser Ordnung, bringen diese das ganze System ins Wanken, da jede Postion direkten Einfluss auf die sie umgebenden hat. Auf dieser Grundlage baut in der heutigen Zeit die systemische Familientherapie auf (vgl. Ackerman, Satir, usw.)

Schauen wir uns aber die heutigen Familienstrukturen an, so fällt uns auf, dass wir die „klassischen Familienkonstellationen“ aus Vater/Mutter/Kindern immer seltener in Reinkultur antreffen. Zu Zeiten einer Scheidungsquote von ca. 50% ist es viel häufiger, alleinerziehende Elternteile oder Patchworkfamilien anzutreffen. Gehört das ursprüngliche Bild da nicht angeglichen?

Zunächst einmal ist die Frage, ob nicht diese Begrifflichkeit angeglichen gehört. Die Eltern trennen sich oder gegebenenfalls, ein Elternteil stirbt, ist der andere dann automatisch alleinerziehend? In den allermeisten Fällen wird man diese Frage mit Nein beantworten müssen. Eltern trennen sich räumlich und als Paar, aber niemals geben sie ihre Rolle als Eltern auf. Das gilt es genau zu unterscheiden, wenn zwei Menschen beschließen, als Partner fortan getrennte Wege zu gehen. Der Vater gibt durch eine räumliche Distanz zur Mutter seine Rolle als Vater nicht auf, er übt sie nur anders aus als vorher. Deshalb ist es zwar nötig für die fortan allein lebende Mutter, Aufgaben des Vaters mit zu übernehmen, seien es anfallende Arbeiten im Haus oder mehr arbeiten zu gehen um den Familienunterhalt zu sichern, aber sie sollte niemals in die Versuchung kommen, auch die Rolle des Vaters für ihre Kinder zu übernehmen. Diese Vermischung zweier getrennt voneinander angelegten Positionen kann für alle Beteiligten schwierige Folgen haben.

Was passiert hingegen, wenn ein neuer Partner auf einmal in das Leben von Elternteil und Kindern tritt, der unter Umständen noch eigene Kinder mitbringt, mit denen es sich jetzt zu arrangieren gilt…?

Was meint Ihr? Wie kann eine solche Konstellation unter I Ging-Aspekten aussehen? Und was passiert mit der Ordnung in einer Familie, wenn die Eltern sich nicht trennen, sondern tatsächlich ein Elternteil für immer geht?

Wir sind sehr gespannt auf Eure Meinungen!

Eine gute Zeit!

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