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Der Blog zum I Ging

Seelennahrung und Energievampire

energievampire

“Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist; weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.” (Goethe)

Diesen Satz könnte Goethe ziemlich genau so aus dem I Ging übernommen haben. Nur, dass es dort vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit, aber in mehr Ausführlichkeit steht. Diesem Phänomen hat es sogar ein eigenes Hexagramm gewidmet – „die Ernährung“. Davon aber später.

Mit welchen Menschen umgebe ich mich?

Viele Menschen klagen über ihre Mitmenschen. Und zwar erstaunlicherweise nicht nur über „Mit-“Menschen, also jene, die zufällig unseren Wege kreuzen wie flüchtige Bekannte, VerkäuferInnen, Busfahrer etc., sondern auch häufig über Menschen in ihrem eng(st)en Kreis: Ihren Partner, ihre Freunde, Mitarbeiter…

Die Frage die sich dabei aufdrängt ist die nach dem Warum? Warum umgebe ich mich mit Menschen, deren Neigungen, Verhaltensweisen, Werte oder sonstigen existentiellen Dinge mir nicht passen? Und eine Frage sollten wir dabei noch ergänzen: Was macht es mit mir, wenn ich mich dauerhaft mit etwas umgebe, was mir nicht gefällt, mir vielleicht sogar langfristig schadet?

Der falsche Umgang macht mehr als nur Ärger…

Wir lernen aus Vorbildern. Schon Kinder erfahren deutlich wertvollere Erziehung über Erfahrung und Nachahmung als über theoretische Reglementierung. Wir Menschen sind nun einmal „Herdentiere“ und interagieren meistens in oder mit der Gruppe. Gruppentypisches Verhalten ist eine Folge dieses Prinzips. Nun mal auch hier weg mit der Theorie und rein in die Praxis: Menschen, die uns täglich auf den Keks gehen machen latente Unzufriedenheit, schlechte Laune und manchmal sogar krank. Das ist unstrittig. Häufig unterschätzt wird der Effekt, den solche Menschen langfristig auf unser eigenes Verhalten und unser eigenes Wertesystem haben. Wir können es mal ganz provokativ ausdrücken, aber bitte sofort wieder vergessen: Wenn ich mich mit A…löchern umgebe, werde ich irgendwann selbst zu einem. Wenn ich moralisch verwerfliches Verhalten für normal halte, weil es in meinen Kreisen so üblich ist, werde ich mein eigenes nicht kritisch hinterfragen. Energievampire nennt man auch solche Menschen, die einem Energie und Lebensfreude rauben, dies kann bewusst genauso wie unbewusst geschehen.

Der Effekt funktioniert auch andersrum

Nun zur guten Nachricht: Das Ganze funktioniert auch in die andere Richtung. Aber Vorsicht: Wenn Ihr jetzt weiterlest, könnte das dazu führen, dass Ihr mit alten Verhaltensweisen brechen müsst  😉

Genauso wie schlechtes Verhalten und schlechter Einfluss auf mich abfärbt, tut dies zum Glück auch guter. Mein Leben und mein geistiges Wohlergehen sollte es mir also eigentlich wert sein, dass ich mich, wo möglich, mit den richtigen, mir förderlichen Menschen umgebe und jene, die mir nicht gut tun aus meinem Umgang verbanne. In einem positiven Umgang fördern Menschen sich gegenseitig und gehen respektvoll miteinander um. Missgunst und Manipulation haben in meinem engsten Kreise selbstverständlich nichts zu suchen. Stattdessen sollte die gemeinsam verbrachte Zeit einen positiven Nachhall bei mir hinterlassen und mir etwas mitgeben, statt zu mindern. Aber das ganze darf auch keine Einbahnstrasse sein: Idealerweise hinterlassen wir bei unseren Mitstreitern dieselben positiven Gefühle, die wir für uns erwarten.

Es geht nicht nur um Menschen…

…wir können diesen Effekt beliebig auf alle Bereiche unseres Lebens erweitern. Oftmals gilt nämlich im Privat- wie im Berufsleben: Weniger ist mehr.

Was bringt mir die fünfte installierte App auf meinem Handy, die mich rund um die Uhr mit den neusten, aber nicht zwangsläufig wichtigsten Nachrichten versorgt? Wie förderlich ist es, sich jeden drittklassigen Beitrag im TV oder Internet anzusehen, nur weil ich im Gespräch bleiben will? Wir sollten uns bei allen Dingen, die wir konsumieren, immer wieder fragen: bringt mich das in meiner Entwicklung wirklich weiter?

Was meint das I Ging?

Wir haben eben schon festgestellt, dass das I Ging diesem Thema ein eigenes Hexagramm gewidmet hat, Nr. 27, die Ernährung. Beginnen wir diesmal mit dem Offensichtlichen, der äußeren Form des Hexagramms: Der Berg unten und der Donner oben bilden mit jeweils einem Yangstrich auf der ersten und einem auf der sechsten Linie optisch einen weit geöffneten Mund (mit den Yangstrichen als Lippen. Zutreffenderweise steht der feststehende Berg für den unbeweglichen Oberkiefer, der bewegliche Donner für den beweglichen Unterkiefer), das Zeichen trägt neben der Bezeichnung „Die Ernährung“ auch noch den Titel „Die Mundwinkel“.

Berg und Donner – Im Wechsel eine Einheit

Der Berg steht für das Festhalten und Stillehalten, der darunter liegende Donner für die Bewegung. Ihre Bewegungsrichtungen sind entgegengesetzt, so strebt der Donner in seiner Energie nach oben, der Berg in seinem Festhalten richtet seine Energie nach unten. Beides untermauert noch das Bild des mahlenden Kiefers, bei dem der bewegliche Teil sich am unbeweglichen reibt und beide zusammen in einer Einheit die Nahrung zerteilen. Auch bezogen auf die Nahrung geht es dabei immer um Ausgleich und Zusammenspiel. Geben und Nehmen muss sich immer die Waage halten, gleichsam muss ich bei meiner geistigen und leiblichen Nahrung das rechte Maß halten – und zwar in Qualität und Quantität. Bei Richard Wilhelm heisst es dazu außerdem: „Sieh auf die Ernährung und womit einer selbst sucht seinen Mund zu füllen.“ und weiter: „So hat der Edle acht auf seine Worte und ist mäßig im Essen und Trinken.“

Entschlacken – nicht nur im Aussen…

Wo gibt es in unserem Leben Faktoren, für die wir vermuten, dass sie uns nicht gut tun? Und was steckt genau dahinter? Kann ich diese Dinge auflösen oder liegen die Ursachen eher in der Richtung Energievampire, so wie oben beschrieben? Krankmachende Dinge loszulassen ist nicht immer leicht, denn sie bringen auch viel positives Gewicht auf die Waage: Gewohnheit, Sicherheit, Bekanntheit und diese Dinge wiegen im Zweifel schwer, gerade wenn wir überlegen, uns zu neuen Ufern aufzumachen und Zweifel und Unsicherheit in unseren Plänen mitschwingen.

Manchmal reicht ein offenes Gespräch mit einem Freund, der nicht selbst in das Thema verstrickt ist, um wieder klarer zu sehen und neue Impulse zu bekommen. Habt Ihr noch weitere gute Tipps?

Eine gute Zeit!

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Nicht zu viel geben!

  1. Luise

    Warum…. ist das Wort, das ich am häufigsten gestellt habe und am meisten damit anderen Menschen auf den Keks gegangen bin. Antworten wie: nimm die Menschen so wie sie sind, es gibt keine anderen, haben mich nicht wirklich getröstet. Heute ist es immer noch eines der wichtigsten Wörter für mich, um mir Klarheit zu verschaffen, um einen Blick hinter dem, was sichtbar ist, zu erfassen und um unterscheiden zu können. Es geht auch darum, sich die Frage zu stellen, welche Worte in meinem Sprachgebrauch sind nährend und welche nicht. Dafür sind wir ausreichend ausgestattet, um das zu fühlen. Ständig wird z.B. nach einem “Schuldigen” gesucht und dabei vergessen, dass wir Prozesse nicht nur linear betrachten können. Dann werden oberflächliche Aussagen gemacht, die nur Halbwahrheiten sind und ggf. Schaden anrichten. Anschließend geht man über zum Nächsten. Oder Erwachsene / Jugendliche beklagen sich über Mobbing und zuhause wird über Bekannte, Verwandte, Eltern, Geschwister oder sonst was hergezogen und wundern sich, dass man so behandelt wird. Es sind immer die eigenen Dinge, die irgendwann wie ein Bumerang zurückkommen…Fangen wir doch in uns sebst und in der eigenen Familie an, bewusster und achtsamer miteinander umzugehen, die alten Sachen loszulassen; wie nach Durchfall und Erbrechen, alles muss raus. Wir können jeden Tag neu anfangen und entscheiden, was kommt aus meinem Mund und was lasse ich hinein. Ich habe die Fähigkeit Nein zu sagen und ….. nicht umsonst haben wir 2 Ohren und 1 Mund.

    • Team I Ging

      Liebe Luise,

      da schreibst du sehr schöne und weise Worte. Im I Ging heißt es dazu: “Der
      Gemeine sucht die Schuld bei seinen Mitmenschen, der Weise sucht die Schuld bei
      sich selbst.” Wir können also mehr Weisheit erlangen, wenn wir bei uns selbst
      suchen.

      Lieben Dank für deinen Kommentar!

      Bis bald.

      Hubert

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