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Ein Fundament wird gebaut aus Steinen. Harte, feste Steine, jeder für sich solide und alle miteinander noch verbunden durch Zement zu einem noch stärkeren Ganzen. Unerschütterlich, tief im Boden verankert. So sollte es sein. Wenn wir ein Haus bauen, können wir nicht oberhalb der Erde anfangen, sondern wir müssen ein Stück weit in die Erde eindringen, unsere Steine hineinlegen und fest zementieren. Erst dann können wir anfangen am sichtbaren Teil unseres Hauses zu bauen. An dem Teil, der schön sein soll. Dann können wir anfangen, Fenster zu bauen, die nach aussen schauen lassen und einen Blick ins Innere erlauben. Wir können Türen bauen, die uns erlauben, unser Haus zu verlassen, andere Menschen zu besuchen, vielleicht auch einmal zu verreisen und mit neuen Erfahrungen heimzukehren.

Das Fundament wird aus Steinen gebaut. Die Steine, das sind unsere Erfahrungen im Leben. Das ist die Entscheidung über gut und schlecht, richtig und falsch, Liebe und Abneigung… Deswegen sind sie so eng verbunden mit der Erde, denn einen Großteil unserer ersten Erfahrungen bekommen wir schon im Mutterleib und auch danach von unserer Mutter mit auf den Weg (natürlich snd auch die Väter beteiligt, aber die erste intensive Bindung besteht zur Mutter). Danach ist es eine Frage, wie wir unsere Erfahrungen zusammensetzen. Mit einzelnen Erfahrungs-Steinen, die wir mit Zement verbinden, bauen wir unsere Welt(-sicht). Wenn es in den ersten Jahren unseres Lebens gut läuft, ist das Fundament das, was wir aus unserer Kindheit mit nehmen in unser Erwachsenenleben. Manchmal sind vielleicht sogar schon ein paar Grundmauern unseres Hauses gesetzt, an denen wir uns orientieren können und wir können an den Innenausbau gehen.

Wenn wir mit einem unsicheren Fundament in unser Leben starten, ist alle Mühe, die wir uns mit der Einrichtung unseres Hauses machen, vergebens. Mauern werden nicht gehalten von Farbe und schönen Bildern, sondern von festem Stein, tief unter der Erde, der Halt gibt. Wenn wir in unserem Leben in Krisen steuern, sind wir häufig in unserem Inneren tief erschüttert. Oft wollen wir dann alles mit einem Schlag anders machen, unser Leben ändern. Aber häufig beginnen wir am falschen Ende damit. Wenn wir nur unsere Verhaltensweisen ändern, kann das zwar auch zu Veränderungen führen, aber oftmals ist es damit nicht genug. Oftmals braucht es mehr als das. Wir brauchen ein paar Querverstrebungen und ein paar zusätzliche Mauern in unserem Fundament, damit es uns besser trägt.

Krisen treffen uns weniger, wenn wir damit nicht den Boden unter unseren Füssen verlieren. Wenn wir die Möglichkeit haben, uns zurückzuziehen und wieder auf uns zu besinnen, können wir im Rückzug neue Kraft schöpfen. Wenn wir eine Blume abreissen, wird aus ihrer Wurzel irgendwann ein neuer Stiel und dann wieder eine neue Blüte wachsen. Beschädigen wir die Wurzel, ist der Schaden deutlich größer und sie braucht deutlich mehr Zeit und Pflege zur Regeneration.

Im I Ging gibt es mehrere Zeichen, die sich mit einem soliden Fundament beschäftigen. Vor allem Hexagramm 18 (Die Arbeit am Verdorbenen), widmet sich speziell dem Aufbau eines soliden Fundamentes. Wenn uns eines dieser Zeichen begegnet, sollten wir versuchen, tief in unser Inneres zu schauen, ob es „Sanierungsbedarf“ in unserem Fundament gibt. Ein Stichwort hierzu kann zum Beispiel sein: alte Glaubenssätze, die wir verinnerlicht haben, ein verdrängtes Trauma, usw. Das Schöne ist aber, dass egal, wie alt wir sind oder was uns in unserem Leben passiert ist, wir immer die Chance haben, unser Fundament zu verbessern um wieder fester stehen zu können. Dafür ist es nie zu spät und der Schaden nie zu groß. Aber es ist leichter, je früher wir damit anfangen.

Eine gute Zeit!

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