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Der Blog zum I Ging

Die Verfinsterung des Lichts

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Die Tage werden kürzer und grauer, der farbenfroh leuchtende Herbst wird so langsam abgelöst von wolkenverhangenen Himmeln, Regen, Sturm und Tristheit. Selten fühlen wir uns so sehr an unsere eigene Vergänglichkeit und die Endlichkeit des Lebens erinnert wie in den Tagen, wenn der Winter den Herbst abzulösen droht. Bei einigen Menschen geht in dieser Zeit die Laune auf den Nullpunkt. Nicht nur gefühlt, sondern auch objektiv: Seit 1987 existiert ein Krankheitsbild mit dem Namen „SAD“, saisonal abhängige Depression. Das Äußere wirkt auf das Innere. Im I Ging gibt es ein Hexagramm, das genau das darstellt: Die Verfinsterung des Lichts. Hexagramm 36 besteht aus dem Feuer unten und der Erde oben. Übertragen wir dieses Bild auf die Natur gibt es analog dazu viele Bilder:

  • Das Feuer wird von der Erde überdeckt, so können wir ein Feuer löschen, es kann nicht atmen.
  • In einem Vulkan lodert ein Feuer unter dichter Erde, bricht er nicht aus, bleibt das Feuer eingeschlossen, ist aber „hochexplosiv“.
  • Im Volksmund gibt es die Redewendung „sein Licht unter den Scheffel stellen“ für jemanden, der sein Können nicht preisgibt, der „tiefstapelt“, der sich selbst klein macht, weil ihm das Vertrauen in sein Können fehlt.

All diese Bilder lassen sich direkt auf das Hexagramm anwenden. Bildlich gesehen ist das Feuer in beide Richtungen abgeschnitten. Es braucht Sauerstoff zum Leben, dieser dringt durch die dicke Erdschicht nicht durch, was das Feuer an Wärme und Licht spenden kann, gelangt aber auch nicht nach draussen. Es besteht also ein starker Rückzug nach innen, keine Impulse dringen mehr durch und kein Lebenszeichen nach aussen. Es wird dunkel, das Licht und die Wärme „verfinstern“ sich.

Dieser Zustand ist kein vorübergehender, sondern im schlimmsten Fall ein chronischer, wenn nichts dagegen unternommen wird. Dies trifft direkt auf die Betroffenen einer Depression zu. Alles wirkt nur noch Grau in Grau, man weiss nicht, wo es hingehen soll, der Glaube an sein eigenes Licht ist tief im Inneren eingeschlossen. Schön und gut, Depressionen gab es also auch schon zu Zeiten des I Ging. Und was mache ich jetzt damit? Auch hier lohnt es sich einen Blick in das Zeichen selbst zu werfen:

Die beiden inneres Trigramme des Hexagramms sind das Wasser und der Donner. Was also erst einmal ganz einfach hilft? Weinen zulassen! Viele Menschen hadern mit ihren Gefühlen wenn es um das Thema Trauer geht. Zu eng verknüpft ist dieses Gefühl mit dem Beigeschmack des Schwachseins, sich nicht durchbeissen oder zusammenreissen zu können und für das Umfeld ist es oft ein Spiegel unserer eigenen Gefühle, die wir eventuell nicht sehen möchten. Zu oft werden Menschen mit depressiven Gefühlen dann abgetan mit: “Das ist doch gar nicht so schlimm, das haben andere doch auch”, ungeachtet dessen, dass derjenige, der von aussen drauf schaut weder eine Ahnung davon haben kann wie es dem anderen geht, noch sich anmaßen zu können darüber zu urteilen. Das Gegenteil ist häufig der Fall, der Betroffene leidet unter dem Kleinmachen seiner Probleme noch mehr als vorher.

Deshalb besser: Gefühle zulassen und rauslassen. “Ja, es geht mir gerade elend, das darf sein.” Tränen haben dazu noch einen anderen positiven Effekt: Sie schwemmen Stresshormone aus dem Körper, so lässt sich sogar ein wissenschaftlich belegbarer Nachweis für ihre heilende Wirkung erbringen. Lange genug geweint, und dann? Dann muss es irgendwann „donnern“, also wir brauchen einen neuen Impuls, eine neue Energie, die uns anfacht. Das kann auch mal ordentlicher rumpeln, damit es „ankommt“, wichtig ist, dass etwas in Bewegung gerät.

Das besagt auch die Kombination der beiden Trigramme zum inneren Hexagramm, die Befreiung (Nr. 40). Hier ist die Rede davon, sich von alten Fesseln zu befreien und schädliche Verhaltensmuster und Grundsätze aufzubrechen. Dies kann (und muss) manchmal im Zorn geschehen, dies symbolisiert der Donner. Klar ist aber, dass eine langfristige Änderung des Zustands nicht passieren kann, wenn wir nicht grundlegende Veränderungen anstreben, damit das Feuer wieder nach aussen strahlen kann und von aussen genügend Nahrung erhält. So hat unsere eigene Veränderung auch direkten Einfluss auf die Beziehung zu unseren Mitmenschen.

Eine gute Zeit!

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  1. Astrid Dorittke

    Liebes Team,
    das passende Hexagramm zur derzeitigen Situation… herrlich wie wahr…vielen Dank für die schönen Impulse. Da bin ich vollkommen da’ ccord mit Euch besonders aber bei den letzten zwei Absätzen!

    Herzliche Grüße Astrid

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