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Nachdem wir bei den ersten beiden Linien des Hexagramms noch eher in den einfacheren Gefilden unterwegs waren, nähern wir uns jetzt mit Linie 3 den Bereichen, wo es mehr in „Arbeit“ ausartet.„Zurechtbiegen des vom Vater Verdorbenen. Ein wenig wird es Reue geben. Kein großer Makel.“

Die Frage, um die es bei dieser Linie geht, ist: Wo macht es Sinn, Dinge lieber im Zorn zu lösen als gar nicht?

In Linie Zwei ging es noch darum, Vorsicht walten zu lassen und nicht zu voreilig vorzupreschen. Davon ist hier keine Rede mehr, ganz im Gegenteil. Es wird sogar Absolution erteilt dafür, dass jemand etwas zu heftig vorgeht und dabei reumütig werden kann. Wo können wir diese Konstellation im Hexagramm finden?

Der Übergang

Wir befinden uns bei Linie 3 am Übergang zwischen Innen und Aussen, das bedeutet auch immer, eine gewisse Grenze zu überschreiten. Wenn wir im Inneren klarer werden oder daran arbeiten, kommt irgendwann ein Punkt, wo das, was wir im Inneren „mit uns selbst“ ausmachen, zwangsläufig nach außen dringt. Entweder, weil wir selbst einen Weg finden, nach draußen zu gehen, oder weil unsere Veränderungen im Äußeren so viel Resonanz schaffen, dass sie sichtbar werden oder Reaktionen erzeugen. Darum ist die Linie 3 in einem Hexagramm auch häufig ein Schlüsselmoment.

Der Zorn

Wo kommt nun der Zorn her? Wenn wir Linie 3 betrachten, ist sie von vornherein eine Yang-Linie und somit eine „starke“ Linie. Sie ist auch, betrachtet an Hexagramm 63, „in Ordnung“: wir sollten in unseren Gefühlen klar sein. Die einwirkenden Trigramme auf Linie 3 sind jedoch Donner und See (und natürlich der Wind). Das heisst, hier ist jede Menge Bewegung im Spiel. Und auch der ruhige See kann bei Unwetter ordentlich aufschäumen und aufgewühlt werden.

Was den Donner angeht, bringt dieser ja ohnehin viel (aufgestaute) Energie ins Spiel. Und Erschütterung. Er trifft dabei jedoch auf den Berg (oberes Trigramm), wird also konfrontiert mit lange festgehaltenen Emotionen und Mustern.

Keine leichte Aufgabe, wie auch klar wird, wenn man den Resonanzpartner, die Yang-Linie auf Position 6 betrachtet.

Außerdem befinden wir uns hier schon auf Ebene 3, unser Problem steckt also nicht mehr in den Kinderschuhen, sondern besteht schon eine ganze Weile und hat sich zu einem größeren „ausgewachsen“.

Lösen statt Festhalten

Wird diese Linie bei einer unserer Befragungen tangiert, gilt es, in uns zu gehen und nach festgefahrenen Mustern oder Emotionen zu suchen. Sind wir ihnen auf der Spur, müssen wir uns die Frage stellen, was wir bisher getan haben, um diese Blockaden zu lösen und wie erfolgreich wir dabei waren.

Es kann viele Gründe geben, warum wir uns davor scheuen, bestimmte Probleme anzugehen. Gewohnheit und Bequemlichkeit hören sich immer sehr vorwurfsvoll an, aber sie sind tatsächlich zwei der Hauptgründe, warum wir Veränderungen immer gern auf die lange Bank schieben und glauben, wir kämen damit gut noch eine Weile zurecht.

Auch Angst vor Konfrontationen kann ein Grund sein, über Jahre immer wieder „Fünfe gerade sein“ zu lassen. Familie und insbesondere die eigenen Eltern sind ein sensibles Thema. Verdanken wir ihnen doch nicht mehr und nicht weniger als das eigene Leben.

Keine Sorge

Beruhigend ist aber doch, dass wir auf dieser Linie eigentlich nie „zu viel“ handeln können. Selbst ein leichtes Über-das-Ziel hinaus-Schießen ist nicht weiter schlimm. Es geht darum, die Dinge anzugehen, damit sie in Bewegung kommen.

Eine gute Zeit!

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