Hex 18 jpgNachdem wir diesem zentralen Hexagramm bereits so viel Aufmerksamkeit geschenkt haben, steigen wir diese Woche in die Schlussbetrachtung des Hexagramms ein.

Mit Abschluss der Linie 3 haben wir das Innere verlassen. Bereits auf der letzten Linie haben wir gesehen, dass die Themen, denen wir begegnet sind, deutlich mehr Tragweite hatten als die auf den beiden Linien davor. Das lag zum einen an den Einfluss nehmenden Trigrammen auf Linie 3, zum anderen an der Tatsache, dass wir bei dieser Linie auf einem „Übergang“ stehen zwischen Innen und Außen, und die Dinge daher mehr Tragweite erhalten.

Linie 4 Der Donner prallt am Berg ab und wir stecken im Schlamm

Historisch gesehen haben wir unsere Probleme auf Linie 4 „immer noch nicht in den Griff“ bekommen. Selbst das Lösen im Zorn hat nicht funktioniert. Bei Linie 4 befinden wir uns nun am Fuße des Berges (oberes Trigramm) und am Oberwasser des Sees: eine matschige Angelegenheit, in der jeder Schritt bedeuten kann, der Länge nach im Modder zu landen. Jede Bewegung ist zäh und führt kaum ein Stück vorwärts.

Der Donner, der uns auch auf Linie 3 schon begegnet ist, verläuft sich am Fuße und der steilen Felswand des Berges und richtet nichts aus.

Ein Mensch in dieser Situation schafft nichts. Noch deutlicher wird die Situation, wenn wir uns die einwirkenden Trigramme genauer anschauen. Denn im Vergleich zu Linie 3 vorher, wo der Wind noch etwas Beweglichkeit ins Spiel brachte, kommt hier noch der massige Berg dazu, den es zu bezwingen gilt. Dieser lässt den Donner, der in Linie 3 noch so vielversprechende Chancen gehabt hätte, an der Felswand verpuffen, seine Zeit ist vorbei.

„Dulden des vom Vater Verdorbenen. Beim Fortmachen sieht man Beschämung.“

Jemand auf dieser Linie ist zu schwach um zu handeln. Er sieht die Fehler der Vergangenheit, aber tut nichts dagegen, sondern lässt sie weiterlaufen. Damit macht er einen großen Fehler.

Der Resonanzpartner der Linie ist Line 1 und somit eine Yin-Linie. Damit ist noch nicht alles verloren. In Situationen, in denen Linie 4 berührt ist, wird uns ganz deutlich, dass wir auf Linie 3 (also früher, als die Probleme noch kleiner waren) versäumt haben zu handeln, was die Situation deutlich verschlimmert hat.

Linie 5 Die helfende Hand kurz vor der Bergspitze

Schauen wir uns unseren Weg von Linie 1 bis hierher genauer an, wird klar, dass dies keine einfache Reise ist. Jetzt sind wir mit Linie 5 fast an der Spitze des Berges angekommen, doch jetzt geht uns endgültig die Puste aus. Lob dem, der es bis hierher geschafft hat, doch ohne eine helfende Hand schafft er die letzten Meter nicht.

„Zurechtbiegen des vom Vater Verdorbenen. Man findet Lob.“

Welch ein Glück, dass auf Linie 5 genau diese helfende Hand Thema ist. Der Haken: Wir müssen sie auch sehen in unserem Eifer, denn ausgestreckt und nicht ergriffen, bringt sie uns nicht weiter.

Dabei tun wir gut daran, sie zu ergreifen, denn kurz vor der Bergspitze beginnt es noch einmal zu regnen. Wo? Bei den einwirkenden Trigrammen. Diese sind nämlich jetzt der Berg, der Donner und zu allem Überfluss das mitreissende, abgründige Wasser. (Die Linie 1 muss zur Ermittlung des dritten einwirkenden Trigramms auf den Platz oberhalb der 6. Linie gezogen werden. So entsteht aus den Linien 5, 6 und 1 das Wasser).

Schauen wir uns den Resonanzpartner an, so haben wir hier eine Yang-Linie zu einer vorhandenen Yang-Linie. Unsere Aufgabe ist schwer und alleine nicht zu bewältigen. Auch mit der helfenden Hand eines Gefährten bleibt es eine Lösung, die zufriedenstellend, aber keine Grunderneuerung ist. Daher das „Lob“ im Text von Wilhelm.

Linie 6 Die Bergspitze

Auf der letzten Linie haben wir die Bergspitze erklommen. Auf der höchsten Stufe haben wir sozusagen alles erledigt, was es in dieser Aufgabe zu tun gab.

Nun haben wir auch auf der Yang-Linie endlich mal wieder festen Boden unter den Füßen. Bei den einflussnehmenden Trigrammen gesellt sich nun das Feuer zu Wasser und Berg. (Auch hier, siehe Linie 5: es wird die 2. Linie über die bereits nach oben gezogene 1. Linie gesetzt, so dass wir das Feuer Trigramm erhalten aus Linie 6: Yang, Linie 1: Yin und Linie 2: Yang). Wir haben also unsere Klarheit (wieder).

„Dient nicht Königen und Fürsten. Steckt sich höhere Ziele.“

Wer nicht einem Herrscher dient, der ist geistig frei und nicht mehr abhängig. Er lässt sich nicht (mehr) von anderen beeinflussen, auch nicht von gesellschaftlichen Vorgaben. Seine Aufgabe ist somit abgeschlossen, in dieser gibt es nichts mehr zu tun.

Betrachten wir Linie 6 als berührte Linie, so wandelt sich das Hexagramm in die 46, das Empordringen.

Mehr kann man dazu fast nicht sagen, oder?

Eine gute Zeit!

Share on FacebookEmail this to someoneTweet about this on Twitter