Hex 18 jpg

Nachdem wir uns in der letzten Woche mit einem ersten Einblick und einer genauen Betrachtung der ersten Linie des Hexagramms 18 beschäftigt haben, steigen wir heute direkt weiter ein auf Linie 2.

Linie 2: Die Mutter war´s

Zugegeben, die Überschrift ist ein bisschen rudimentär, trotzdem steckt darin ein guter Funke Wahrheit. Wir befinden uns bei der Betrachtung gerade auf Linie 2 und diese wird in der Gesamtschau des Hexagramms der Mutter zugeordnet     (Linie 1 wie letzte Woche besprochen, dem Vater und die Linien 3-6 aufsteigend den Kindern 1 bis 4). Bei Richard Wilhelm heisst es dazu in der Wandlung der  Linie 2: „Zurechtbiegen des von der Mutter Verdorbenen. Man darf nicht zu beharrlich sein.“

Betrachten wir jedoch unser klassisches Ebenenmodell (ausgehend von Hexagramm 63), steht die Linie 2 eigentlich für das Denken und sollte darüber hinaus eine offene Yinlinie sein. Die Mutter hingegen steht für den Bereich der Gefühlswelt und schon daran sieht man, dass auf dieser Linie einiges durcheinander geraten ist:

Die Linie 2 ist wie bereits gesagt eine Yang-Linie an der Stelle wo eigentlich ein Yin sein sollte. Ihre Nachbarschaft besteht aus einer Yin-Linie unten, sowie einer Yang Linie oben, somit ist sie nach unten ok, nach oben jedoch nicht. Die Richtung, in der sie nicht in Ordnung ist, betrifft die Ebene der Gefühle (Linie 3), auch daran wird wieder erkennbar, dass Denken und Fühlen sich hier gegenseitig ins Handwerk pfuschen. Der Resonanzpartner, Linie 5, hingegen, ist Yin, somit ist hier zumindest eine Auflösung noch im machbaren, „leichten“ Bereich.

Die einwirkenden Trigramme auf Linie 2 sind allesamt weiblich: See, Wind und Feuer. Somit wirken 3 Yin-Kräfte auf eine Yang-Linie ein, auch darum bewegen wir uns hier so stark in der Gefühlswelt und so wenig in der rationalen Denkenswelt.

Was nun?

Was machen wir jetzt aus all dem? In der Zusammenfassung haben wir: eine Linie, die eigentlich am falschen Platz mit den falschen Einflüssen steht. Themen, die in den mütterlichen Bereich fallen und auch über diesen aufzulösen sind und ein klarer Hinweis im Text, beim Herangehen nicht zu überschwänglich vorzugehen.

Zunächst einmal geht es darum, den „falschen mütterlichen Einfluss“ auszumachen, der auf der Linie aufgezeigt wird. Dabei handelt es sich in der Regel um Themen, die zwar aus der Kindheit stammen, aber bis ins Heute hinein nachwirken und unser Handeln beeinflussen.

In der Regel entstehen beim Aufdecken solcher Zusammenhänge negative Gefühle in uns. Das ist es auch, was uns häufig dazu veranlassen will, bei der Auflösung zu schnell und zu heftig vorzugehen. Die Warnung, die das I Ging uns auf dieser Linie mitgeben will, ist jedoch unbedingt zu beachten, dies wird auch deutlich, wenn wir die Wandlung der Linie 2 betrachten. Wandelt sie sich in eine Yinlinie erhalten wir das Hexagramm 52, „Stillhalten“ aus Berg über Berg. Diese Muster wollen nicht raus, sie sind tief verwurzelt und an ihnen will festgehalten werden. Dazu steht der Berg ja außerdem für die Unbeweglichkeit. Er soll uns davor bewahren, zu eilig vorzupreschen. In einer solchen Ausgangslage fällt Reflexion häufig schwer.

Zudem befinden wir uns ja nach wie vor weit in unserem eigenen Inneren und sind sehr stark bei uns selbst auf einer tiefen Ebene. Die Bewusstmachung solcher unbewussten Punkt erfordern in Nachklang und Umsetzung viel Kraft und häufig, so wie hier auch, Besonnenheit.

Zur nächsten Ebene, wo es genau das Gegenteil von ruhigem und vorsichtigem Vorgehen braucht, kommen wir in der nächsten Woche bei Linie 3.

Bis dahin, eine gute Zeit!

Share on FacebookEmail this to someoneTweet about this on Twitter