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Es gibt Momente, da braucht man nichts als sich selbst. Und manchmal möchte man sich das gar nicht so gerne eingestehen. Wir stehen unseren Mann oder unsere Frau tagtäglich, kümmern uns um alles, was uns anvertraut ist und verschieben oftmals unsere eigenen Bedürfnisse auf „irgendwann“.

Lässt uns der enge Tagesplan dann mal ein paar Minuten Freiraum, verbringen wir ihn oftmals vor Fernseher oder Laptop und lassen uns wahllos berieseln oder schieben noch mal schnell einen Termin beim Friseur oder Fitnessstudio ein, damit wir unser Gewissen nicht mit einer Runde Faulenzen belasten müssen. Bekannt?

Wahrscheinlich schon, genauso wie das Gefühl, manchmal einfach den Fernseher oder das Radio einschalten zu müssen, weil es in den eigenen vier Wänden einfach zu leise ist und wir ein Gefühl von Gesellschaft brauchen.

Im I Ging finden wir diese Situation hauptsächlich in Hexagramm 33, das so treffend „der Rückzug“ heisst. Der Berg, das Zeichen für Festhalten und Stillhalten ist unten, und wird noch zusätzlich vom mächtigen Himmel von oben abgedeckt. Dies bedeutet neben der Einschränkung, die der Himmel dabei ausübt aber auch Schutz, den er bietet. Schutz, um darunter in Ruhe zu verharren und in Ruhe die Zeit zu nehmen, die man braucht. Die Gefahr, die im inneren Hexagramm enthalten ist, ist das Entgegenkommen, Hexagramm 44. Hier bringt der Wind als unteres Trigramm jede Menge Unruhe und Ablenkung ins Spiel, wir laufen Gefahr, uns in alle Himmelsrichtungen treiben zu lassen auf der Suche nach Zerstreuung.

Wir haken im Leben und sogar im täglichen Tagesgeschäft häufig Dinge ab wie auf einer To-Do-Liste. Dabei zählt am Ende des Tages nur das Ergebnis, nur, dass wir alles geschafft haben. Wir vergessen dabei oft, dass auch hier, so wie im ganzen Lebenslauf ein ständiges Wandeln von Yin zu Yang, von passiv zu aktiv, schwach zu stark herrschen sollte. Also anstatt sich durch den Tag zu hecheln und Termine aneinanderzureihen, bis wir abends erschöpft ins Bett fallen, wäre es sinnvoller, immer wieder kleinere Verschnaufpausen einzuplanen, so dass im Tag ein ständiges Anstrengen und Ausruhen herrscht. Dies entlastet unsere Abende auch deutlich. Denn wer sich auf die Abendruhe einstimmt, weil er zum Beispiel vor dem zu Bett gehen schon eine Ruhephase einplant, der kommt auch leichter in den Schlaf und verfällt nicht in endlose Grübeleien darüber, was er auf den letzten Drücker vergessen hat, zu erledigen.

Dafür gibt es übrigens ganz einfache Tipps, hier nur ein paar:

-Kein Fernsehen zum Einschlafen

-Keine Arbeitsmaterialien im Schlafzimmer

-Abends einen Spaziergang machen, um den Kopf freizubekommen usw.

Im Grunde genommen, müssen wir auch einfach wieder lernen, mit der Stille um uns herum klarzukommen. In unserer modernen Welt haben wir ja fast nie die Chance auf wirklich ruhige Minuten. Entweder dringt der Lärm von draussen durch das Fenster oder irgendwo klingelt ein Handy. Selbst die Nächte sind lange nicht mehr ruhig. Wenn dann auch noch in unserem Kopf Stille herrschen soll, fühlen wir uns oft einsam und unsicher und scheuen uns auch, mit den Dingen in Resonanz zu gehen, die uns da eventuell ins Bewusstsein dringen.

Aber genau das ist wichtig. Du bist der einzige Mensch mit dem Du es rund um die Uhr aushalten musst. Wir investieren soviel in Freundschaft, Partnerschaft und Gesellschaft, und das ist auch wichtig. Aber wir selber sollten uns als Weggefährten lieb und teuer genug sein, um auch am Alleinsein mit uns zu arbeiten. Für uns selbst und die anderen. Faulenzen kann gesund sein. Und schon Laotse sagte: „Beim Nichtstun bleibt nichts ungetan“

Eine gute Zeit!

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