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Der Blog zum I Ging

Blick in die Weite – der Wanderer

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„Das Auge ist auf den Berg gestiegen“, das waren die Worte, die mir spontan einfielen, als ich das Hexagramm 56, „Der Wanderer“, das erste Mal sah. Ohne zunächst die genaue Bedeutung des Zeichens zu kennen, kamen mir so viele Assoziationen zu diesem Bild, dass ich merkte wie sehr meine Phantasie durch dieses Zeichen angetriggert wurde. (Anmerkung: Hexagramm 56 ist zusammengesetzt aus unten Berg und oben Feuer, dem Feuer wiederum ist das Auge als Körperteil zugeordnet.)

Ein Auge auf dem Berg hatte für mich etwas von Ausschau, ein bisschen was von Wache halten, Grenzen bewachen, gleichzeitig aber auch von vorsichtigem Ausspähen, Suche nach neuen Zielen, Ausblick auf ferne Länder.

Wer auf den Berg steigt, lässt etwas hinter sich. Ich starte am Fuß des massigen, breiten Berges, blicke nach oben und kann die Spitze zunächst nur erahnen. Dafür sehe ich ganz klar vor mir, was es zu bezwingen gilt: festen, kalten Stein, standfest über Jahrtausende, vorwärts, rechts und links kann ich nicht sehen, was vor mir liegt, ausser nach hinten. Wenn ich einen Blick über meine Schulter werfe sehe ich dort den Weg, von dem ich gekommen bin. Meine Vergangenheit. Mein bisheriges Leben. Klar und deutlich soweit mein Auge reicht. Vor mir nackter Stein. So weit das Auge reicht. Wenn ich mich an den Aufstieg mache, wird das Fundament unter meinen Füssen immer schmaler. Der Berg wird nach oben hin spitzer, der massive Stein bröckeliger, mein Halt unsicherer, breite Wege, die vor mir gegangen wurden, werden erst zu Trampelpfaden, dann muss ich eigene treten. Vielleicht doch am Boden bleiben? Doch hier ist der einzige Weg der, den ich bereits kenne. Meine Spuren führen von hier aus nur zurück.

Was mich antreibt ist Feuer, Unruhe, Ungeduld, der Drang höher hinaus zu kommen, zu wachsen, wie die Flammen eines Feuers nach oben züngeln sucht mein Geist nach etwas, zu dem er sich emporstrecken kann. Am Ende des Aufstiegs belohnt mich der Ausblick. Ich sehe wieder was vor mir liegt, was mich antreibt. Meine Taschen sind leer, vor dem Aufstieg habe ich allen Ballast am Fuß des Berges zurückgelassen und was mir an Notwendigem blieb, habe ich auf dem Weg verbraucht. Jetzt habe ich wieder Platz für Neues, kann mich neu anfüllen lassen mit dem, was mir begegnet. Jetzt sehe ich nur noch von weitem den Weg, aus dem ich gekommen bin, der Weg, der vor mir liegt dagegen gewinnt mit jedem Schritt, den ich mich weiter an den Abstieg mache, an Klarheit.

Bis ich wieder am Fuße des Berges angekommen bin, habe ich viele Wandlungen durchlaufen, Gefahren abgewehrt und an Erfahrung gewonnen. Mir sind Fremde begegnet, denen ich mich anvertrauen musste und die mir ein Dach über dem Kopf geboten haben. Schutzlosigkeit hat mich Demut und Bescheidenheit gelehrt und hat mein Inneres reich gemacht, wo mein Äußeres ärmer wurde. Das Hexagramm 56 heisst nicht nur der Wanderer, sondern trägt den Untertitel „Aufbruch zu neuen Ufern“. Wir treten täglich neue Reisen an, mal sind die Berge höher, mal sind sie kleiner, aber jeder Aufbruch, auf den wir uns mit Begeisterung und Energie einlassen, birgt für uns stets beides: Verlust und Gewinn. Das eine geht nicht ohne das andere, denn mit zu schwerem Gepäck können wir nicht reisen. Wichtig ist, dass wir immer wieder in uns hineinschauen und auf uns achten, damit der lange Weg uns nicht die Kräfte raubt, und damit wir unser innerstes Gut, das, was wir niemals zurücklassen dürfen immer im Herzen bei uns tragen.

Eine gute Zeit!

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  1. dojung

    „Das Auge ist auf den Berg gestiegen“, das waren die Worte, die mir spontan einfielen, als ich das Hexagramm 56, „Der Wanderer“, das erste Mal sah.

    Als ich diese Worte las, fiel mir spontan Barad Dur – der Her der Ringe ein.
    https://vignette.wikia.nocookie.net/lotr/images/f/f9/Barad-dur.jpg/revision/latest?cb=20080309130451&path-prefix=de

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