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Der Blog zum I Ging

Als der Yogi den Frieden suchen ging…

Yogi Friede

Heute stürmt und regnet es draussen. Ein typischer Novembertag eben. Von der Straße vor dem Fenster dringen die Geräusche hektischer Fußgänger, bellender Hunde, schreiender Kinder nach oben. Unruhe – doch hier oben im ersten Stock muss man nur das Fenster schließen, um, einer Taucherglocke gleich, die Geräusche nur noch gedämpft an sein Ohr dringen zu lassen. Friede auf Knopfdruck sozusagen. Zumindest was den Geräuschpegel angeht.

Das Telefon klingelt, ich gehe ran und merke, es wird ein längeres Gespräch. Zwischen Terminen und Zahlen, die ich notieren muss, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich auf meinem Zettel herumkritzle: Blümchen und Häuser, rauchende Schornsteine, Sonne und Sterne. Alle friedlich auf einem Zettel vereint mit meinen Terminen und Aufgaben. Als ich den Hörer aufgelegt habe, schweift mein Blick über das „Kunstwerk“ und bleibt bei einer Strich-Kolonne am rechten Bildrand hängen. Zwischen zwei Datumsangaben habe ich drei lange Striche gemalt und darüber drei unterbrochene. Tai, der Friede, Hexagramm 11.

Dazwischen habe ich ein Männchen gekrakelt, mit einem kleinen Kopf und einem langen Hals und einem ziemlich dicken Bauch 🙂

Während ich das Männchen anschaue, fällt mir spontan eine Assoziation ein, eine, die gut passt zu meinem „Taucherglocken-Ruhezustand“: Das Männlein sieht ein bisschen aus wie ein meditierender Buddha im Lotussitz. Und er fügt sich perfekt in mein dahingekrakeltes Hexagramm 11.

Er sitzt auf einer stabilen Basis, die Beine kunstvoll übereinander geschlagen, unverrückbar verwurzelt auf dem Boden. Seine Hände liegen entspannt auf seinen Knien und bringen zusätzlich Stabilität in das Bild. Es scheint, als wäre seine untere Hälfte, abwärts des Bauchnabels ein fester stabiler Block, den nichts erschüttern kann. Drei stabile Yang-Striche gebildet aus Füssen, Knien und Hüfte.

Darüber wird das Bild auf einmal offener. Die starren Yang-Striche teilen sich, machen mit einem Mal Platz und geben Raum zur Entfaltung. Zum Wachsen. Sie geben Leere und bilden einen Tunnel nach oben, in höhere Sphären.

Ist es nicht das, was wir der Meditation und in Erkenntnis zu erreichen erhoffen? Leere, Offenheit, um Raum geben zu können für neue Erkenntnisse oder gar Erleuchtung? Und einen Weg „nach oben“, zum „Nicht Alltäglichen“.

Meditation ist auch, sich selbst leer zu machen, frei von störenden Gedanken, störendem Ego und den Dingen die Chance geben zu wachsen. Aber auch, um selbst für einige Momente Frieden zu finden vor den stets flüsternden und um Aufmerksamkeit buhlenden Alltagsgedanken und -verpflichtungen.

Der in Hexagramm 11 ruhende Yogi ist für mich ein schönes Bild für das universelle Wesen des I Ging.Wir sind nicht abhängig von starren Interpretationsmustern. Manchmal findet sich der persönliche Zugang zu einem Hexagramm über Brücken, die wir bewusst nie erdacht hätten. Wie in diesem Fall.

Was meint Ihr, passendes Beispiel oder zu weit hergeholt? Wir freuen uns über Eure Meinungen!

Bis bald,

Sabine

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  1. Gabriele Frielinghaus

    Liebe Sabine,
    Ich glaube auch, dass sich Erkenntnis nicht erzwingen lässt und sich in den Momenten zeigt, in denen wir nichts wollen- so wie in Deiner Telefonkritzelei. Ich empfinde Erkenntnis immer als ein Akt der Gnade und bin unendlich dankbar dafür. Dieser Budda ist für mich ein schönes Bild für das Hexagramm 11 und lässt mich die Bedeutung dieses Hexagramms nicht mehr so schnell vergessen. Danke für Deinen Beitrag im Blog!

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